Familienerinnerungen sichern
Kurz erklärt: Drei Kopien, zwei verschiedene Medien, eine außer Haus. Dazu offene Dateiformate und mindestens ein Mensch, der weiß, wo alles liegt und wie er drankommt.
Die meisten Familiensammlungen gehen nicht durch ein dramatisches Ereignis verloren, sondern durch Stillstand: eine Festplatte, in die jahrelang niemand geschaut hat, ein Konto, dessen Passwort niemand kennt, ein Kartenleser, den es nicht mehr gibt.
Dieser Artikel beschreibt, wie du das an einem Abend in Ordnung bringst. Es geht nicht ums Digitalisieren – das steht im Artikel über Familienfotos bewahren –, sondern darum, dass das Digitalisierte auch in zwanzig Jahren noch da und lesbar ist.
Die 3-2-1-Regel in einem Satz
Drei Kopien deiner Daten, auf zwei verschiedenen Arten von Medien, davon eine an einem anderen Ort.
Der Fotograf Peter Krogh hat diese Regel 2005 in seinem Buch über digitales Bildmanagement bekannt gemacht, und sie hat sich seither in der gesamten IT durchgesetzt – weil sie ein einfaches Problem löst: Kein einzelnes Ereignis darf alle Kopien gleichzeitig treffen.
Konkret kann das so aussehen:
- Kopie 1: die Arbeitsversion auf deinem Rechner oder Telefon
- Kopie 2: eine externe Festplatte, die zu Hause liegt
- Kopie 3: ein Cloud-Speicher oder eine zweite Festplatte bei Verwandten
Wichtig ist der letzte Punkt. Wohnungsbrand, Leitungswasser und Einbruch treffen alles, was im selben Raum liegt. Eine Kopie außer Haus ist der einzige Schutz dagegen.
Welche Dateiformate lange halten
Je gewöhnlicher und offener ein Format, desto wahrscheinlicher kannst du es später noch öffnen. Die Library of Congress führt für digitale Fotografien eine Rangfolge empfohlener Formate: ganz oben unkomprimiertes TIFF, danach verlustfreies JPEG 2000, dann PNG, dann klassisches JPEG.
Für die Praxis in einer Familie heißt das:
- Scans von wichtigen Originalen – Urkunden, alte Porträts – als TIFF oder PNG behalten, wenn der Platz da ist.
- Alltagsfotos dürfen JPEG bleiben. Es ist nicht das haltbarste Format, aber das am weitesten verbreitete, und Verbreitung ist ein Haltbarkeitsfaktor.
- RAW-Dateien aus der Kamera zusätzlich als JPEG oder TIFF ablegen. Herstellerformate sind an Software gebunden.
- Texte und Notizen als PDF/A oder schlichtes TXT, nicht in einem Programmformat, das an ein Abo hängt.
- Deinen Stammbaum als offene Datei, die sich ohne das ursprüngliche Programm lesen lässt.
Welche Datenträger wie lange halten
Ehrliche Antwort: Verlässliche Haltbarkeitszahlen gibt es nicht. Herstellerangaben sind Laborwerte, und die Streuung im Alltag ist riesig. Was man sagen kann:
- Festplatten (HDD) haben bewegliche Teile und fallen mechanisch aus, oft ohne Vorwarnung.
- SSDs und USB-Sticks halten Daten über Ladung. Jahrelang stromlos in der Schublade ist genau der Fall, für den sie nicht gedacht sind.
- Speicherkarten aus Kameras sind für den Transport gemacht, nicht fürs Archiv.
- Optische Medien sind je nach Qualität sehr unterschiedlich – und Laufwerke werden selten.
Die Konsequenz ist nicht, das perfekte Medium zu suchen. Es gibt keins. Die Konsequenz ist, mehrere Kopien zu haben und sie regelmäßig zu erneuern. Setz dir einen jährlichen Termin, an dem du eine Kopie prüfst und stichprobenartig Dateien öffnest.
Cloud: was sie leistet und was nicht
Cloud-Speicher erledigt den schwierigsten Teil der 3-2-1-Regel fast von selbst: die Kopie außer Haus. Das ist ein echter Vorteil, und für die meisten Familien die einfachste dritte Kopie.
Aber die Cloud ist keine vollständige Sicherung, aus drei Gründen:
- Synchronisation ist kein Backup. Löschst du eine Datei lokal, verschwindet sie oft auch online. Prüfe, wie lange dein Anbieter gelöschte Dateien im Papierkorb behält.
- Das Konto ist der Engpass. Ein vergessenes Passwort, ein verlorenes Zweitgerät für die Zwei-Faktor-Bestätigung, eine Kontosperrung – und die Kopie ist unerreichbar, obwohl sie existiert.
- Anbieter ändern sich. Dienste werden eingestellt, Gratis-Kontingente gekürzt, Konten nach längerer Inaktivität geschlossen.
Nutze die Cloud – aber nie als einzige Kopie.
Der vergessene Teil: Wer kommt später dran?
Das ist der Punkt, an dem die meisten sonst sorgfältigen Sammlungen scheitern. Eine Sicherung, die nur du öffnen kannst, ist eine Sicherung mit Verfallsdatum.
In Deutschland ist die Rechtslage dazu klarer, als viele denken: Der Bundesgerichtshof hat 2018 entschieden, dass ein Nutzerkonto in einem sozialen Netzwerk auf die Erben übergeht – vergleichbar mit Briefen und Tagebüchern. Erben haben also grundsätzlich Anspruch auf Zugang. Praktisch nützt dieser Anspruch aber wenig, wenn niemand weiß, dass es die Daten überhaupt gibt.
Deshalb gehört zu jeder Sicherung eine Zugangsregelung:
- Schreib auf, wo die Kopien liegen – Gerät, Ort, Anbieter.
- Sorge dafür, dass mindestens eine Vertrauensperson an die Zugangsdaten kommt. Viele Passwortmanager haben dafür eine Notfall-Freigabe; ein versiegelter Umschlag beim Testament tut es auch.
- Nutze Verschlüsselung bewusst. Ein verschlüsselter Datenträger ohne hinterlegtes Passwort ist für Angehörige nicht schwer zugänglich, sondern gar nicht.
- Sag der Familie, dass es die Sammlung gibt. Der Schuhkarton im Schrank hatte diesen Vorteil eingebaut.
Was das für deinen Stammbaum heißt
Ein Stammbaum ist verdichtete Arbeit: Hunderte Stunden Recherche in einer einzigen Struktur. Er verdient dieselbe Behandlung wie die Fotos.
In FamilyTree Free liegen deine Daten ausschließlich im Browser auf deinem Gerät. Das ist gut für die Privatsphäre und bedeutet zugleich: Wenn du deine Browserdaten löschst, ist der Baum weg. Ein Klick auf „Sicherung" lädt den kompletten Baum samt Fotos als eine einzelne JSON-Datei herunter. Diese Datei ist reiner Text, sie lässt sich mit jedem Editor öffnen und ist an kein Programm gebunden – behandle sie als Kopie 1 und leg sie in dieselbe 3-2-1-Struktur wie deine Fotos.
Mach diese Sicherung nach jeder größeren Bearbeitungsrunde, nicht „demnächst mal".
Sicherungs-Checkliste
- Alles an einem Ort zusammenführen (Fotos, Scans, Notizen, Stammbaum-Datei)
- Kopie 2 auf externer Festplatte anlegen
- Kopie 3 außer Haus bringen (Cloud oder Festplatte bei Verwandten)
- Wichtige Originale als TIFF oder PNG behalten
- Stammbaum als Sicherungsdatei exportieren
- Aufschreiben, wo alles liegt
- Zugang für eine Vertrauensperson regeln
- Jährlichen Prüftermin eintragen und Stichproben öffnen
Nächster Schritt
Lade zuerst die Sicherung deines Stammbaums herunter – das ist die eine Datei, die sich am schnellsten wiederherstellen lässt und am leichtesten vergessen wird: Stammbaum kostenlos erstellen.
Weiterlesen
- Erinnerungen, die bleiben – warum digitale Erinnerungen anders altern als Papier
- Familienfotos bewahren und digitalisieren
- Familiendaten und Datenschutz
- Stammbaum teilen
- Ahnentafel zum Ausdrucken
FAQ
Was bedeutet die 3-2-1-Regel genau?
Drei Kopien deiner Daten, gespeichert auf zwei unterschiedlichen Arten von Medien, wovon eine Kopie an einem anderen Ort liegt. So kann kein einzelnes Ereignis – Defekt, Brand, Diebstahl – alles gleichzeitig vernichten.
Reicht die Cloud allein als Sicherung?
Nein. Cloud-Speicher ist eine sehr gute dritte Kopie, aber Synchronisation ersetzt kein Backup: Lokal gelöschte Dateien verschwinden oft auch online. Außerdem hängt alles am Zugang zu einem Konto.
In welchem Format sollte ich alte Fotos speichern?
Für wichtige Originale TIFF oder PNG, für Alltagsbilder genügt JPEG. Entscheidend ist, offene und weit verbreitete Formate zu wählen statt herstellerspezifischer Dateien.
Wie oft sollte ich meine Sicherung erneuern?
Nach jeder größeren Bearbeitung eine neue Kopie, und einmal im Jahr eine Prüfung: Kopien öffnen, Stichproben ansehen, alte Datenträger ersetzen.
Wie regele ich den Zugang für Angehörige?
Schreib auf, wo die Daten liegen, und sorge dafür, dass eine Vertrauensperson an die Zugangsdaten kommt – über die Notfall-Freigabe eines Passwortmanagers oder einen versiegelten Umschlag zu den Nachlassunterlagen. Ohne Zugang nützt die beste Sicherung nichts.